Ambivalenz
Longevity: Zwischen Gesundheitstrend und Verkaufsversprechen
Longevity ist als Begriff in Deutschland noch längst kein Massenphänomen – als Wunsch nach einem möglichst langen und gesunden Leben dagegen durchaus. 69 Prozent der Befragten sehen grundsätzlich Potenzial darin, den Alterungsprozess zu verlangsamen und mehr gesunde Lebensjahre zu gewinnen. Gleichzeitig kennt erst die Hälfte den Begriff 'Longevity'. Das zeigt eine Forsa-Befragung im Auftrag der DAK-Gesundheit.
41 Prozent der Befragten geben an, dass das Ziel, den Alterungsprozess zu verlangsamen, in ihrem Alltag eine große oder sehr große Rolle spielt. Bei den 60- bis 70-Jährigen liegt der Anteil bei 50 Prozent. 63 Prozent erwarten zudem, dass sich Longevity zumindest bei einem Teil der Bevölkerung durchsetzen wird.
Wenn es um konkrete Maßnahmen geht, dominieren allerdings weniger Hightech-Anwendungen oder spezialisierte Produkte als etablierte Formen der Gesundheitsvorsorge. 74 Prozent würden mehr Sport treiben oder Bewegung in den Alltag integrieren, 71 Prozent setzen auf soziale Kontakte und 62 Prozent auf geistige Aktivitäten. 59 Prozent nennen besseren Schlaf als Ansatz für gesundes Altern.
Auch Wearables stoßen auf Interesse: 44 Prozent können sich deren Nutzung vorstellen, etwa zur Beobachtung von Schlaf oder Herzfrequenz.
Zwischen Prävention und Produktversprechen
Gerade für die Markenführung liegt hier eine entscheidende Grenze. Der Longevity-Begriff eröffnet zwar neue Möglichkeiten für Anbieter aus Gesundheit, Ernährung, Fitness, Technologie oder Diagnostik. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass ein wissenschaftlich komplexes Thema zum Marketinglabel wird.
Die Befragten nennen selbst mehrere Gründe für ihre Zurückhaltung. 16 Prozent zweifeln an der Wirksamkeit von Gesundheitsmaßnahmen, weitere 16 Prozent fühlen sich nicht ausreichend darüber informiert, welche Angebote tatsächlich sinnvoll sind. 22 Prozent empfinden entsprechende Maßnahmen als zu teuer.
Damit steht der Markt vor einem Glaubwürdigkeitsproblem: Je stärker Marken mit dem Versprechen eines längeren oder gesünderen Lebens arbeiten, desto wichtiger wird die Frage, was davon wissenschaftlich belastbar ist.
Vertrauen schlägt Influencer-Reichweite
Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Informationsquellen. Ärzt genießen mit 90 Prozent das mit Abstand höchste Vertrauen beim Thema gesundes Altern. Es folgen Apotheker mit 80 Prozent und Krankenkassen mit 75 Prozent. Influencer erreichen dagegen lediglich vier Prozent.
Bemerkenswert ist zudem die Lücke zwischen Interesse und tatsächlicher Nutzung. 49 Prozent nehmen derzeit keine Gesundheitsvorsorge- oder Präventionsangebote in Anspruch. Die Hälfte davon wäre grundsätzlich bereit, entsprechende Angebote zu nutzen. Auch das relativiert das vermeintlich große Marktpotenzial. Interesse an gesundem Altern ist vorhanden – daraus muss aber erst noch dauerhaftes Verhalten werden. Zeitmangel nennen 40 Prozent als größte Hürde, 35 Prozent fehlende Motivation oder Disziplin.
Die Befragung wurde vom 7. bis 18. August 2026 unter 1.043 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren durchgeführt. Auftraggeberin war die DAK-Gesundheit mit Sitz in Hamburg.
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