Chinesische Unternehmen werden für die deutsche Wirtschaft zunehmend zu Wettbewerbern – nicht nur auf dem chinesischen Markt, sondern auch in Deutschland, Europa und auf Drittstaatenmärkten. Das zeigt eine Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 1.300 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungssektor. Zwei Drittel der Befragten nehmen demnach einen wachsenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter wahr. In der Industrie sind es 83 Prozent.
Dabei ist dabei vor allem die veränderte Wettbewerbsposition chinesischer Anbieter relevant: Diese werden von den befragten Unternehmen nicht mehr allein über den Preis wahrgenommen. Auch bei Technologie und Qualität seien sie näher an deutsche Anbieter herangerückt.
Wettbewerb findet zunehmend auf mehreren Märkten statt
Besonders ausgeprägt ist der Wettbewerbsdruck bei Unternehmen mit eigenen Standorten in China. 88 Prozent dieser Unternehmen berichten von einer zunehmenden Konkurrenz. Aber auch 38 Prozent der Unternehmen ohne direkte China-Geschäfte nehmen den gestiegenen Wettbewerb wahr.
Damit verschiebt sich die Wettbewerbssituation über den chinesischen Markt hinaus. Chinesische Anbieter treten zunehmend im deutschen Markt, im EU-Binnenmarkt und auf internationalen Drittmärkten als Wettbewerber auf. Gleichzeitig bleiben chinesische Lieferketten und Produktionsstandorte für einige deutsche Unternehmen ein Bestandteil ihrer eigenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Die Unternehmen sehen sich dabei insbesondere mit Preisdruck und sinkenden Margen konfrontiert. Hinzu kommen aus ihrer Sicht staatliche Unterstützung chinesischer Anbieter sowie hohe Kosten und regulatorische Belastungen am deutschen Standort.
Innovation statt Rückzug

Einen Rückzug aus ihren Geschäftsfeldern planen die meisten betroffenen Unternehmen nicht. 88 Prozent schließen diesen laut DIHK-Umfrage aus. Stattdessen reagieren sie vor allem mit Produktinnovationen (60 Prozent), Kostensenkungen (50 Prozent) und der Erschließung neuer Absatzmärkte (39 Prozent). Fast jedes dritte Unternehmen setzt zudem verstärkt auf Kooperationen mit chinesischen Partnern.
Von der europäischen Politik wünschen sich 67 Prozent der Befragten ein stärker koordiniertes außenwirtschaftliches Vorgehen gegenüber China. 60 Prozent sprechen sich für eine Reduzierung strategischer Abhängigkeiten aus. 49 Prozent befürworten den Ausschluss chinesischer Unternehmen von kritischen Infrastrukturprojekten, 36 Prozent stärkere Zugangsbeschränkungen zum EU-Binnenmarkt und 31 Prozent schärfere Handelsschutzmaßnahmen.

Gleichzeitig zeigt die Befragung eine gewisse Bereitschaft, dafür eigene Belastungen in Kauf zu nehmen: 55 Prozent würden stärkere EU-Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen auch dann unterstützen, wenn daraus Nachteile für das eigene Unternehmen entstehen könnten – etwa durch höhere Preise, zusätzliche Bürokratie, Zölle oder mögliche Gegenmaßnahmen.
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