Start-up-Serie
Fembites: "Wir müssen deutlich mehr über Frauengesundheit sprechen"
In der Serie 'Durchstarten' stellen wir junge Unternehmen vor und befragen deren Macher zu ihrer Geschäftsidee. Dieses Mal: das Start-up Fembites aus Berlin, das Nahrungsergänzungsmittel speziell für Frauen entwickelt und vertreibt.
Das bin ich:
Jana Deckelmann, Biologin, Ernährungsökonomin und Gründerin von Fembites. Wir begleiten mit Fembites Frauen durch alle hormonellen Lebensphasen: mit Femcaps, Fempower und Femgums, einer studienbasierten Supplement-Brand für Frauengesundheit. Außerdem bin ich zertifizierte Hormon-Coachin.
Das ist die Geschäftsidee unseres Unternehmens:
Fembites entwickelt Nahrungsergänzungsmittel, die konsequent auf den weiblichen Körper abgestimmt sind. Unsere Produkte orientieren sich an Zyklus, Hormonen sowie den unterschiedlichen Lebensphasen von Frauen und basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Das hat mich zu dieser Geschäftsidee gebracht:
Als Biologin habe ich bei meiner Mitgründerin Angelica das sogenannte Post-Pill-Syndrom erkannt, unter dem sie nach dem Absetzen der Pille monatelang litt. Gemeinsam stellten wir fest, dass es kaum Produkte gab, die gezielt für die Bedürfnisse des weiblichen Körpers entwickelt wurden. Aus dieser Erkenntnis und dem Wunsch, daran etwas zu ändern, entstand Fembites.
Das war unser bislang größter Erfolg:
Zu unseren größten Meilensteinen zählen der Gewinn des Maria-Clementine-Martin-Awards beim 200-jährigen Jubiläum der Klosterfrau Group sowie unser Auftritt bei Die Höhle der Löwen. Darüber hinaus wurde Fembites mit dem Projekt Frauengesundheit für den Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2026 nominiert, und für den Empowering Women Award von Swiss Ladies Drive vorgeschlagen. Ich selbst wurde in die Most-Influential-Mom-Liste der Initiative One Million Women aufgenommen und bin als Expertin auf der Plattform Innovative Frauen gelistet. Besonders stolz macht uns jedoch das Vertrauen von mittlerweile über 140.000 Frauen in Fembites. Aus der Schokoladen-Idee Femchoc ist eine ganze Marke für Frauengesundheit entstanden.
Das war unsere bislang größte Herausforderung:
Mit der Nachfrage Schritt zu halten. Wir sind mehrfach komplett ausverkauft gewesen, weil die Produktion nicht so schnell skalieren konnte, wie das Interesse an Fembites gewachsen ist. Von der ersten Idee bis zur verlässlichen Lieferkette war es ein langer Weg. Es galt, Rezepturen, Zertifizierungen und Produktionspartner zu finden, die unseren Ansprüchen an wissenschaftlich fundierte Qualität gerecht werden. Und das alles als Gründerinnen ohne klassisches Investorenkapital.
Das war mein bisher größtes Learning:
Dass Wachstum kein gerader Weg ist und man als Gründerin lernen muss, mit Knappheit und Unsicherheit zu planen, statt auf den perfekten Moment zu warten. Nicht der perfekte Plan zählt, sondern die Entscheidung, immer wieder neu weiterzumachen.
Das treibt mich an:
Mich treibt an, dass Frauen ihre Gesundheit selbstbestimmt in die Hand nehmen können. Wissen über den eigenen Körper sollte keine Ausnahme, sondern selbstverständlich sein. Wenn wir dazu beitragen können, Frauen zu stärken, ist das für mich die größte Motivation.
Das ist mein Motto:
Frauengesundheit ist fundamental. Und Mut ist der Anfang von allem.
Das sind meine Vorbilder:
Mein größtes Vorbild ist meine Oma. Sie hat schon vor Jahrzehnten darauf bestanden, das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen zu bekommen – zu einer Zeit, in der das alles andere als selbstverständlich war. Genauso inspiriert mich Maria Clementine Martin, die 1826 als Frau ein Unternehmen im Gesundheitsbereich gründete, gegen alle Widerstände ihrer Zeit. Zwei Frauen, ein Jahrhundert dazwischen, dieselbe Haltung: nicht fragen, ob man darf – einfach machen. Und sich mit anderen austauschen, um zu wissen, welchen Schritt man als Nächstes gehen sollte.
Das sind unsere Geldgeber:
Gestartet sind wir mit Crowdfunding über Startnext und haben dabei unser Ziel von 10.000 Euro übertroffen. Das alles haben wir als Gründerinnen geschafft, die Fembites überwiegend organisch aufgebaut haben. Unterstützt hat uns dabei eine Seed-Finanzierung.
Das können etablierte Markenartikler von Start-ups lernen:
Mut, auch unbequeme, noch unerforschte Themen anzugehen, bevor der Markt bereit dafür scheint. Und vor allem: Produkte gemeinsam mit der eigenen Community entwickeln, statt nur über sie zu sprechen – im direkten Austausch mit den Frauen, für die man baut. Erst kürzlich haben wir dafür auch eigene Community-Events gestartet.
Das können Start-ups von etablierten Markenartiklern lernen:
Strukturen und Prozesse, die Qualität und Skalierung absichern. Wie wertvoll eingespielte Lieferketten und langjährige Marktkenntnis sind, merkt man erst beim Wachsen. Und vielleicht auch, dass man nicht alles allein stemmen muss. Etablierte Player teilen Verantwortung im Team auf. Dort klebt die Gründerin nachts nicht noch selbst Etiketten. Ein bisschen mehr von dieser Gelassenheit täte uns Start-ups manchmal gut.
Das kann Deutschland beim Thema Start-ups von anderen Ländern lernen:
Mehr Risikobereitschaft und einfacheren Zugang zu Kapital. Insbesondere für Gründerinnen braucht es bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Unternehmertum und Familie. Gründung, Finanzierung und Familienplanung sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Das wünsche ich mir von der Politik:
Weniger Bürokratie bei der Gründung, einfacheren Zugang zu Förderungen und mehr Sichtbarkeit für Themen wie Frauengesundheit. Ein Thema, das lange als Nische galt, aber Millionen Menschen betrifft. Ganz konkret wünsche ich mir auch eine andere Bewertung für Gründerinnen: Wer direkt nach dem Studium gründet, hat noch kein klassisches Gehalt vorzuweisen, wird dadurch in vielen Bereichen finanziell benachteiligt und hat ein deutlich höheres Risiko. Unternehmergeist sollte nicht schlechter gestellt werden als ein klassischer Karriereweg.
Das sind meine Pläne für die Zukunft:
Aktuell arbeite ich daran, noch mehr Frauen mit Wissen, Produkten und Austausch zu stärken. Gleichzeitig gebe ich meine Erfahrungen als Gründerin weiter und begleite im Rahmen der Female Entrepreneurship and Start-up University an der Justus-Liebig-Universität sowie Programmen rund um das Exist-Gründungsstipendium junge Gründerinnen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Darüber hinaus soll Fembites weiterwachsen: mit neuen Produkten für den weiblichen Zyklus und noch mehr Sichtbarkeit für Frauengesundheit.
Das sorgt für Entspannung und Ablenkung vom Arbeitsalltag:
Die wichtigste Auszeit ist Zeit mit Freunden, meiner Familie und unseren Kindern. Außerdem liebe ich es, neue Themen rund um Frauengesundheit zu entdecken, allerdings dann ohne To-do-Liste und Business-Plan.
Das wollte ich immer schon einmal sagen:
Frauengesundheit wird noch immer viel zu oft unterschätzt. Ein Beispiel: Eisenmangel nach der ersten Periode kann sich durch Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Erschöpfung bemerkbar machen und wird nicht immer erkannt. Solches Wissen über den weiblichen Körper sollte viel selbstverständlicher sein. Wir müssen deutlich mehr über Frauengesundheit sprechen – von der Menstruation bis zum Herzinfarkt.














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