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GASTBEITRAG
Ob verpflichtend oder freiwillig durchgeführt: Energie-Audits nach DIN EN 16247-1 stärken das Vertrauen. © Cyan Heid, Heid-Energieberatung

Ob verpflichtend oder freiwillig durchgeführt: Energie-Audits nach DIN EN 16247-1 stärken das Vertrauen. © Cyan Heid, Heid-Energieberatung

Interview

Energie-Audits: Große Wirkung auf die Vertrauenswürdigkeit von Unternehmen

Für viele deutsche Unternehmen ist das Energie-Audit nach DIN EN 16247-1 gesetzlich vorgeschrieben. "Doch auch freiwillig durchgeführt bietet das Audit klare Vorteile für den Dialog mit Kunden, Mitarbeitenden oder Investoren", sagt Energieberater und Immobilienexperte Cyan Heid im Interview. Freiwillige Audits decken Einsparpotenziale auf, schaffen Transparenz beim Energieeinsatz und werden außerdem vom Staat massiv bezuschusst.

Wie wird aus einem Energie-Audit ein sichtbarer Vertrauensfaktor für Kunden, Mitarbeitende oder Investoren. Kurz: Wie bekommen diese überhaupt mit, was im Audit steckt?

Sie haben Recht. In erster Linie ist ein Audit ein internes Verfahren, das dem Management des jeweiligen Unternehmens aufschlussreiche Hinweise darüber liefert, wie energieeffizient es wirtschaftet und produziert. Ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 ist eine systematische Analyse des Energieeinsatzes im Unternehmen.

Ziel ist es, alle relevanten Energieflüsse zu erfassen, Einsparpotenziale zu identifizieren und konkrete Maßnahmen zur Effizienzsteigerung abzuleiten. Dabei werden sowohl Gebäude als auch Anlagen, betriebliche Prozesse und Nutzungsverhalten berücksichtigt.

Ein Audit ist verpflichtend für alle Unternehmen, die nicht zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zählen. Doch auch viele KMU erledigen ein solches Audit längst freiwillig. Ob verpflichtend oder aus freien Stücken: Die bewältigbaren Mühen eines Audits lohnen sich doppelt, wenn die Unternehmen die Informationen nicht für sich behalten, sondern offen und ehrlich gegenüber den eigenen Beschäftigten, Kunden und Lieferanten, aber auch Geldgebern und Banken kommunizieren. Das kann im Nachhaltigkeitsbericht erfolgen, durch Extrainformationen etwa auf der Website, aber auch im persönlichen Gespräch mit Bankberatern oder wichtigen Kunden.

Was macht ein Energie-Audit so wertvoll, wenn es darum geht, Vertrauen bei Kunden, Investoren und Mitarbeitenden aufzubauen?

Hier gilt das klare Motto: Tue Gutes und Effizientes und rede darüber. Gerade bei der Finanzierung gibt es viele Vorteile und oft bessere Kreditkonditionen, wenn Unternehmen in Sachen Energieeffizienz Vorreiter sind. Viele Banken und Sparkassen legen heute strenge Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit an ihre Kreditnehmer aus dem Unternehmenssektor. Daher sollten auch KMU, die bis dato nicht der Pflicht unterliegen, über ein freiwilliges Energie-Audit nachdenken. Der Staat fördert freiwillige Energie-Audits über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA, mit bis zu 50 Prozent der Kosten. 

Wo zeigen sich die größten Hebel eines Energie-Audits in der Praxis?

Im Unterschied zu anderen Beratungsformaten wie der Energieberatung nach DIN 18599 oder dem individuellen Sanierungsfahrplan liegt der Fokus beim Energie-Audit für große Unternehmen nicht auf einem Gebäude, sondern auf dem gesamten betrieblichen Energieeinsatz. Das macht das Energie-Audit besonders geeignet für produzierende Unternehmen, Dienstleister und Betreiber großer Immobilien.

Als Heid Energieberatung begleiten wir deutschlandweit Unternehmen bei der Umsetzung von Energieaudits nach DIN EN 16247-1 – von der strukturierten Erhebung der Energieflüsse bis hin zur Ableitung konkreter Maßnahmen. Unsere Gutachten erfüllen die Anforderungen der BAFA, sind förderfähig und werden häufig als Grundlage für Fördermittelanträge, ESG-Reports oder Investitionsentscheidungen genutzt.

Viele Unternehmen scheuen die Auseinandersetzung mit Energie-Audits, sei es aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit. Welche Denkfehler begehen damit die Entscheider?

Primär geht es um die richtige Haltung und Einstellung zum Thema. Entscheidend ist dabei: Firmen sollten Energie-Audits als Kür empfinden statt als Pflicht. Das gilt besonders für große Unternehmen, die der Pflicht zum Audit unterliegen. Sie sollten – wie es bereits alle tun, die ein solches Audit freiwillig für sich und die Außenkommunikation durchlaufen – das Beste aus dem Thema machen. Zugegeben: Ein Energie-Audit macht etwas Arbeit und kostet Geld. Doch der Return-on-Invest, um die Sprache der Betriebswirtschaftslehre zu zitieren, ist immens.

Ein Energie-Audit nach DIN EN 16247-1 deckt versteckte Energieverluste auf und zeigt, wo im Unternehmen Einsparpotenziale bestehen. Häufig lassen sich durch gezielte Maßnahmen die Betriebskosten deutlich senken – und das ohne große Investitionen. Zudem schaffen Unternehmen eine fundierte Grundlage für Fördermittel, ESG-Strategien und Investitionsentscheidungen. Für viele große Unternehmen kann das Audit so vom Pflichtthema zur echten Chance werden.

Welche Rolle werden Energie-Audits in fünf bis zehn Jahren einnehmen? Werden sie zu einem festen Bestandteil unternehmerischer Markenführung?

Die Antwort darauf ist eindeutig und maximal kurz: ja. Ein Energie-Audit nach DIN EN 16247-1 ist heute Pflicht für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten oder einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro und gleichzeitig einer Jahresbilanzsumme über 43 Millionen Euro. Diese Pflicht gilt unabhängig von Branche oder Energieverbrauch.

Auch Tochterunternehmen oder verbundene Firmenverbände kann die Audit-Pflicht betreffen – entscheidend ist die Gesamtstruktur des Unternehmens. Das erste Audit musste bereits 2015 durchgeführt werden, seither besteht eine Wiederholungspflicht alle vier Jahre. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. In fünf oder zehn Jahren werden wir über diese Fußnoten und möglichen Sanktionen vermutlich gar nicht mehr sprechen, wenn wir uns wiedertreffen: Dann sind Energie-Audits Business as Usual geworden.

Wenn Sie einem Unternehmen nur einen einzigen Gedanken zum Thema Energie-Audit mitgeben dürften: Welcher wäre das?

Audits helfen Euch, zukunftsfit(ter) zu werden und die Energiekosten zu minimieren. Das Thema duldet keinen Aufschub, auch wenn kleine oder mittlere Unternehmen zurzeit noch nicht dazu verpflichtet sein. Wer seinen Betrieb dauerhaft sichern möchte, macht das Thema zur Chefsache – und zwar heute.