Studien
KI in der Arbeitswelt: Zwischen Faszination und Verunsicherung

Symbolbild: Alex Knight/Unsplash
Künstliche Intelligenz (KI) wird von vielen Beschäftigten als Chance wahrgenommen – gleichzeitig bleibt die Angst vor Ersetzbarkeit und Kontrollverlust wirksam. Das zeigt die neue Studie KI und die Zukunft der Arbeit: Stresstest für Führung und Zusammenarbeit des Rheingold Instituts für die Randstad Stiftung.
Privat nutzen demnach 76 Prozent KI regelmäßig, 83 Prozent empfinden dabei eher Faszination als Angst. Im Arbeitskontext sehen 78 Prozent neue Chancen, 72 Prozent fühlen sich unterstützt. Doch die Tiefeninterviews offenbaren seelischen Stress: KI berührt Fragen von Identität und Selbstwert. Arbeit wird als Ausdruck von Kreativität und Kompetenz verstanden – und genau hier setzt die Verunsicherung an. 33 Prozent glauben, dass KI ihren Arbeitsstil nachahmen kann, 48 Prozent halten ihre Arbeit für individuell.
Zwischen Effizienzgewinn und psychologischer Belastung
59 Prozent erleben durch KI eine Beschleunigung ihrer Aufgaben, 47 Prozent fühlen sich kreativer. Doch statt Entlastung erleben viele Beschäftigte Effizienzdruck und Verdichtung. Besonders junge Menschen spüren Konkurrenz durch KI – ein Gefühl, das KI zum Symbol eines 'Turbokapitalismus' macht.
Typische Reaktionsmuster: Beschäftigte erklären ihre Kompetenzen für 'unersetzbar', fokussieren auf Fehler der Technologie oder nutzen KI heimlich, so die Studienautor:innen. 26 Prozent setzen KI im Job ohne Wissen des Arbeitgebers ein, nur 32 Prozent berichten von klaren Richtlinien. Schulungen sind selten, nur 28 Prozent haben Zugang. Diese Muster führen zu Intransparenz und Vertrauensverlust.
Auch Führungskräfte sind verunsichert. Zwischen Innovationsdruck und Kontrollverlust fehlen oft klare Regeln und Visionen. Nur 40 Prozent fühlen sich beim Thema Datenschutz sicher, 39 Prozent trauen sich zu, KI-Grenzen zuverlässig zu erkennen. 63 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Hoffnungen im Umgang mit KI überwiegen, bei 20 Prozent dominiert die Angst.
Was Unternehmen jetzt brauchen
"Unternehmen dürfen KI nicht allein als technische Aufgabe begreifen", betont Johannes Dorn, Geschäftsführer des Rheingold Instituts. Es brauche transparente Kommunikation, klare Leitplanken und Räume für offene Diskussionen.
Die Studie nennt konkrete Handlungsfelder für Unternehmen:
- Klare Regeln und Orientierung
- Transparente Kommunikation
- Verbindung von HR und Data
- Partizipation und Experimentierräume
- Ganzheitliche Bildung und Training
- Sinnstiftung durch Empathie und Verantwortung
- Mut zur aktiven Gestaltung
Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1.015 Personen sowie 32 zweistündigen Tiefeninterviews. Die Ergebnisse entstammen einer repräsentativen Stichprobe von Erwerbstätigen im Alter von 30–60 Jahren, die KI gelegentlich im Arbeitsalltag nutzen.
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