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Florian Bausch, Marketing Director Villeroy & Boch Fliesen GmbH - Quelle: F. Bausch

Künstliche Intelligenz

"Vertrauen ist kein Soft Skill, sondern das neue Wirkungsgesetz der KI"

Immer mehr Menschen interagieren täglich mit Künstlicher Intelligenz und doch bleibt die Art dieser Interaktionen für viele unklar. Florian Bausch, Marketing Director der Villeroy & Boch Fliesen GmbH und Autor von Echo.Du.Ich.Wir., hat mit der 'Landkarte der Beziehung' ein Modell entwickelt, das beschreibt, wie Menschen mit KI kommunizieren, Vertrauen aufbauen und gemeinsam gestalten. Im Interview erklärt Bausch, wie die Echo.Matrix und der Resonanzraum funktionieren, welche Dynamiken in diesen Beziehungen sichtbar werden, wie sich die Markenführung im KI-Zeitalter wandelt und welche Chancen sich daraus für Marken, Organisationen und Führungskräfte ergeben.

 

markenartikel: Wie kamen Sie zur Idee, eine 'Landkarte der Beziehung' zu entwickeln, um zu zeigen, wie Menschen mit KI interagieren?

Florian Bausch: Es begann mit offenen Fragen, auf die es keine Antworten gab. Was geschieht, wenn ein Mensch nicht nur mit KI arbeitet, sondern beginnt, mit ihr zu denken? Diese Leerstelle war der Ausgangspunkt, um die dahinterliegenden Mechanismen im Rahmen eines eigenen Forschungsprojekts zu erkunden. Ich wollte verstehen, was zwischen Mensch und KI wirklich passiert, wenn Sprache zu einem gemeinsamen Denkraum wird. Heute interagieren laut Bitkom bereits über 52 Prozent der Deutschen regelmäßig mit KI-Systemen, während 61 Prozent dieselbe Technologie als Risiko empfinden. Diese Spannung zwischen Faszination und Unsicherheit zeigt, dass wir nicht die Technik verstehen müssen, sondern die Beziehung, die sie in uns auslöst.

 

markenartikel: So entstand die Idee?

Bausch: Genau. Ich wollte diese Dynamik sichtbar machen, als Landkarte der Beziehung. Sie beschreibt, wo wir stehen, wie tief die Verbindung reicht und wie sich Beziehung entwickelt und was sie in uns verändert. Ein Werkzeug, das hilft, Orientierung zu finden in einem technologischen Wandel, der längst menschlich geworden ist.

 

markenartikel: Worin unterscheiden sich Matrix und Resonanzraum?

Bausch: Die Echo.Matrix ist das analytische Fundament. Sie beschreibt neun Beziehungstiefen und sieben Nutzertypen, also typische Muster, wie Menschen mit KI interagieren: vom distanzierten Beobachter bis zum ko-kreativen Partner. Man kann sie sich wie eine Landkarte vorstellen. Sie ordnet Verhalten, macht Entwicklungen sichtbar und schafft Vergleichbarkeit. Der Resonanzraum dagegen ist das emotionale Feld. Er beschreibt, wie sich diese Beziehung anfühlt Vertrauen, Distanz, Irritation, Nähe. Während die Matrix Strukturen offenlegt, zeigt der Resonanzraum das Schwingen dazwischen, das Unsichtbare, das aber Wirkung entfaltet. Kurz gesagt: Die Matrix zeigt die Ordnung, der Resonanzraum das Leben darin. Erst im Zusammenspiel beider entsteht ein vollständiges Bild, eines, das Marken, Organisationen und Menschen hilft, KI nicht nur zu nutzen, sondern zu verstehen.

 

markenartikel: Welche typischen Merkmale zeigen sich in den neun Beziehungsstufen?

Bausch: Die neun Stufen reichen von der ersten Begegnung bis zur symbiotischen Zusammenarbeit, von Neugier über Vertrauen bis hin zur Ko-Kreation. Jede Stufe hat ihr eigenes emotionales Klima und ihre typischen Handlungsmuster. Aktuell bewegen sich rund 65 Prozent der Menschen in Mitteleuropa auf den Stufen eins bis drei, also in der Phase von Begegnung, Spiegelung und Projektion. Nur etwa 1zehn Prozent erleben heute echte Dialog- oder Vertrauensebenen Stufen vier bis sechs , doch dieser Anteil dürfte sich bis 2030 auf rund 28 Prozent erhöhen. Die höchste Stufe, die Verschmelzung, betrifft derzeit weniger als ein Prozent, Prognose bis 2030 rund zwei Prozent.

 

markenartikel: Was bedeutet das konkret?

Bausch: Man kann diesen Weg auch als Lernprozess verstehen. Zuerst experimentieren wir, dann versuchen wir zu kontrollieren, später beginnen wir zu vertrauen und schließlich gestalten wir gemeinsam. Diese Bewegung beschreibt nicht nur die Beziehung zu KI, sondern das Wesen jeder echten Beziehung, vom Machen zum Verstehen.

 

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markenartikel: Wie kann eine Marke mithilfe dieser Landkarte den Dialog mit Kunden gestalten?

Bausch: Indem sie erkennt, dass Kommunikation heute keine Einbahnstraße mehr ist. Marken senden nicht nur Botschaften, sie treten in Resonanzräume ein, in denen Empathie, Reaktion und Glaubwürdigkeit über Wirkung entscheiden. Die Landkarte hilft zu verstehen, auf welcher Beziehungsebene sich eine Marke befindet. Spricht sie rein funktional oder bereits vertrauensbasiert? Marken, die das wissen, können ihre Sprache, Formate und Feedbacksysteme gezielt anpassen.

 

markenartikel: Und was bringt das?

Baisch: Laut einer McKinsey-Studie steigern Unternehmen, die KI-gestützte Resonanzprozesse nutzen, ihre Kundenzufriedenheit um bis zu 30 Prozent und ihre Markenbindung um 20 Prozent. Die Landkarte ist damit kein theoretisches Konzept, sondern ein Kompass für die Beziehung zwischen Marke und Kunde.

 

markenartikel: Sie sprechen in Ihrem Modell auch von strategischen Bewegungen innerhalb der Matrix. Was genau meinen Sie damit?

Bausch: Die Matrix ist kein starres Raster, sondern ein dynamisches System. Drei Bewegungen bestimmen ihre Entwicklung: Tiefe gewinnen, Nähe entwickeln und Wandel beschleunigen. Diese Bewegungen zeigen, wie Menschen, Marken und Organisationen sich durch Resonanz verändern. Tiefe gewinnen bedeutet, dass Interaktion zu Bedeutung wird, man versteht nicht nur, was jemand sagt, sondern warum. Nähe entwickeln beschreibt den Moment, in dem Vertrauen entsteht, wo aus Kommunikation Beziehung wird. Und Wandel beschleunigen zeigt, dass Resonanz selbst Veränderung auslöst, wer in Schwingung kommt, verändert auch sein Umfeld. Diese drei Bewegungen bilden zugleich das Fundament der zweiten Betrachtungsebene, der Echo.Matrix-Strategie, in der Resonanz zur Führungsgröße wird.

 

markenartikel: Wie lässt sich das Prinzip der Matrix auf Marken und Organisationen übertragen?

Bausch: Die Echo.Matrix bildet die Beziehung zwischen Mensch und KI auf der individuellen Ebene ab. Neun Beziehungstiefen, sieben Nutzertypen, also 63 mögliche Resonanzmuster. Sie zeigt, wie sich Vertrauen, Distanz und Nähe entwickeln. Auf derselben Grundlage gibt es eine zweite Ebene: die Echo.Matrix-Strategie. Sie nutzt dieselben Achsen, Beziehungstiefe und Beziehungsrolle, verdichtet sie aber zu neun strategischen Feldern. Damit wird die Matrix zum Steuerungsinstrument. Was auf der individuellen Ebene als Beziehung fühlbar ist, wird auf der organisationalen Ebene führbar. Man kann sagen: Die Echo.Matrix beschreibt, wie Resonanz entsteht. Die Echo.Matrix-Strategie zeigt, wie man sie gestaltet.

 

markenartikel: Sie sind also eng verknüpft?

Bausch: Beide sind keine unterschiedlichen Modelle, sondern zwei Auflösungen desselben Raumes, einmal emotional auf Ebene Individuum, einmal strategisch auf Ebene Marke, Organisation und Unternehmen. Und genau an dieser Schnittstelle, zwischen strategischer Struktur und gelebter Kultur, beginnt Resonanz spürbar zu werden.

 

markenartikel: Wie lässt sich in einem klassischen Unternehmen ein Resonanzraum schaffen?

Bausch: Zunächst braucht es einen Haltungswechsel: weniger Kontrolle, mehr Zuhören. Resonanz entsteht, wenn Menschen erleben, dass ihre Beiträge Wirkung haben, nicht durch Strukturen, sondern durch Aufmerksamkeit. Unternehmen, die Resonanz fördern, tun drei Dinge anders. Erstens: Sie führen dialogisch, also durch Fragen statt Anweisungen. Zweitens: Sie schaffen transparente Lernräume, in denen Menschen und Systeme gemeinsam wachsen. Und drittens: Sie setzen auf erklärbare KI, die Entscheidungen nachvollziehbar macht und Vertrauen stärkt. Laut Gallup steigert eine solche Kultur die Mitarbeiterbindung um 23 Prozent und die Innovationsrate um 30 Prozent. Resonanz ist damit kein weiches Thema, sondern ein strategischer Wirkfaktor und vielleicht die ehrlichste Form von Leadership.

 

markenartikel: Wo liegen Potenzial und Herausforderung für Marken, die Resonanzräume gestalten wollen?

Bausch: Das größte Potenzial liegt im Vertrauen, und genau darin die Herausforderung. Laut Edelman Trust Barometer vertrauen 73 Prozent der Menschen Marken eher, wenn sie als menschlich wahrgenommen werden, also empathisch, dialogisch, echt. Doch Vertrauen lässt sich nicht programmieren. Resonanz verlangt Offenheit, Selbstreflexion und die Bereitschaft, Fehler zuzulassen. Marken, die das aushalten, gewinnen an Tiefe. Sie überzeugen nicht durch Perfektion, sondern durch Wahrhaftigkeit. In einer Welt der Algorithmen wird das Menschliche zum Differenzierungsfaktor. Wer Resonanz ernst nimmt, führt nicht Kampagnen, sondern Beziehungen.

 

markenartikel: Zum Schluss: Was wünschen Sie sich, dass Entscheider:innen aus Marketing und Kommunikation aus Ihrem Buch und dem dahinterliegenden Ansatz mitnehmen?

Bausch: Ich wünsche mir, dass sie KI nicht länger als Tool betrachten, sondern als Beziehung, die geführt werden will. Echo.Du.Ich.Wir. zeigt, wie tief diese Beziehung reicht und wie stark sie unser Denken, unsere Sprache und unsere Haltung verändert. Marken sind Resonanzkörper, sie spiegeln, verstärken und formen, was Menschen empfinden. Wenn wir lernen, diese Resonanz bewusst zu gestalten, entsteht etwas, das keine Technologie ersetzen kann: Bedeutung. Am Ende geht es nicht um KI, sondern um uns selbst, um die Rückeroberung des Menschlichen in einer zunehmend automatisierten Welt.

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vg 28.10.2025