Onlinehandel
E-Commerce: EU führt Zoll auf Pakete mit geringem Wert ein
Die Europäische Union führt ab Juli 2026 einen Zollsatz von drei Euro pro Sendung auf E-Commerce-Pakete mit einem Warenwert von unter 150 Euro ein. Darauf haben sich die EU-Mitgliedstaaten verständigt. Die Maßnahme betrifft Sendungen, die direkt aus Drittländern an Verbraucher:innen in der EU geliefert werden, und soll kurzfristig für mehr Fairness im grenzüberschreitenden Onlinehandel sorgen.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič begrüßte die Entscheidung. Angesichts des rasanten Wachstums des elektronischen Handels brauche es geeignete Instrumente, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Die neue Abgabe sei ein wichtiger Schritt, um im Zeitalter des E-Commerce einen fairen Wettbewerb an den EU-Außengrenzen sicherzustellen.
Übergangslösung bis zur Zollreform
Hintergrund der Entscheidung ist der starke Anstieg von Wareneinfuhren über Onlineplattformen. Die Kommission und die Mitgliedstaaten sehen in dem pauschalen Zollsatz eine Übergangslösung, die bis zur Einführung der EU-Zolldatenplattform im Jahr 2028 greifen soll. Diese Plattform ist Teil der EU-Zollreform und soll den Behörden künftig einen vollständigen Überblick über den Warenverkehr verschaffen.
Unabhängig davon laufen weiterhin Verhandlungen über eine zusätzliche EU-Bearbeitungsgebühr für E-Commerce-Pakete. Während der Zollsatz bestehende Wettbewerbsvorteile bestimmter Anbieter ausgleichen soll, zielt die Bearbeitungsgebühr darauf ab, die steigenden Kosten der Zollbehörden für Kontrolle und Überwachung des stark wachsenden Paketaufkommens zu decken.
Šefčovič betonte, die EU stehe kurz vor der umfassendsten Reform der Zollunion seit ihrer Gründung im Jahr 1968. Ziel sei ein modernes, digitales Zollsystem, das den internationalen Handel erleichtert und zugleich die Integrität des Binnenmarkts schützt.
Markenverband fordert konsequente Haftung der Plattformen
Der Markenverband, Berlin, sieht vor allem auch Handlungsbedarf mit Blick auf das Thema Produkt- und Markenpiraterie. Nach Angaben des Verbands gelangen täglich rund 600.000 Päckchen über chinesische Online-Plattformen nach Deutschland. Darunter befinden sich zehntausende Fälschungen von Markenprodukten – von Bekleidung über Elektrogeräte und Spielzeug bis hin zu Kosmetik.
Die Folgen seien gravierend: ein Milliardenschaden für Unternehmen, der Verlust von Arbeitsplätzen sowie eine massive Täuschung von Verbraucher:innen. Häufig handele es sich um Produkte, die unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen und mangelhaften Umweltstandards hergestellt würden und zudem Sicherheitsrisiken bergen.
Aus Sicht des Markenverbands müssen die Betreiber chinesischer Online-Plattformen künftig konsequent in die Haftung genommen werden. Illegale Angebote dürften nicht immer wieder auftauchen. Was einmal entfernt wurde, müsse dauerhaft verschwinden – 'Stay down'. Nur so lasse sich der Schutz von Marken, fairer Wettbewerb und das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig sichern.
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