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Amaia und Julen Rodríguez, Gründer von Gravity Wave - Quelle: Gravity Wave

Start-up-Serie

Gravity Wave: Vom Abfall zum Asset

Was bewegt Menschen dazu, ein Unternehmen zu gründen? Was sind dabei die größten Herausforderungen? Wo gibt es hierzulande beim Thema Start-ups Verbesserungspotenzial? Über diese und weitere Fragen sprechen wir im Rahmen einer Online-Serie in loser Reihenfolge mit Gründer:innen aus unterschiedlichen Bereichen.

Zum Auftakt haben wir mit Louis Kleemeyer, Gründer und Geschäftsführer von Unique United, gesprochen, einer Online-Plattform für Menschen mit Behinderung. Darauf stand Al Khal, Gründer und COO des Start-ups NewStarters, das Geflüchtete in schwierigen Lebenslagen unterstützen will, Rede und Antwort. Auch Dr. Daniel Trauth, Mitgründer von DataMatters, haben wir gesprochen. Das Unternehmen wurde 2018 als Spin-off der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) gegründet und will KI in die Realwirtschaft bringen. Isabell Weiser, General Manager der Live-Shopping-Plattform Whatnot Germany, gab ebenfalls Einblick. Marin Ivankovic und Sascha Firtina, Geschäftsführer und Gründer von der Agentur Gocomo, haben ebenfalls Einblick gegeben. Dr. Tobias Klinke und Nader Fadl, Gründer des Marktforschungs-Start-ups Experial, entwickeln Digital Customer Twins, um Marktforschung schneller und kostengünstiger zu gestalten. Sie haben ebenfalls Einblick gegeben in ihre Geschäftsidee. Zuletzt lasen Sie, was Irene Klemm, Co-Founderin & Co-CEO von Edurino in München, antreibt. In der vergangenen Folge ging es um das 2016 von Franziska und Marius Schatz gegründete Unternehmen Roadtyping, das gesund wachsen und neue Märkte erobern will. Pascal Bieri, Mitgründer von Planted, gewährte ebenfalls Einblicke in die Strategie des Anbieters von pflanzenbasiertem Fleisch. Zudem sprachen wir mit Espatu-Gründer Klaus Beiermann, der das Thema Raumvermietung neu denken will. Störtebekker aus Obertshausen - eine D2C-Marke für Rasurbedarf - hat ebenfalls Einblick in die Strategie gegeben. Dann ging es um die KI-Plattform Syte, die Grundstücke und Gebäude deutschlandweit analysiert und Bebauungs-, Sanierungs- und Energiepotenziale Potenziale sichtbar machen soll. Die Dermatologin Dr. Sarah Bechstein, Gründerin von Formel Skin, ein Online-Dermatologie-Unternehmen, das eine personalisierte, medizinische Hautpflege anbietet, berichtete über ihre Gründungsgeschichte. Auch Hannah Kromminga, Co-Founder von Giftd, sprach über die Idee hinter der Marketingplattform, auf der Konsumgüter, die sich nicht mehr verkaufen lassen, in Giveaways umgewandelt werden. Welche Erfahrungen Gründer Alexander Kraml gemacht hat, war ebenfalls Thema. Er steht hinter der österreichischen Chrambl Nachhaltige Innovation GmbH und hat mit dem Chrambl-Würfel ein Produkt entwickelt, das Waschmittel und Weichspüler in einem ist. Danach ging es um Mattes Wobbeler, CEO und Gründer von CourtClub, eine Lifestyle-Bekleidungsmarke mit Tennis-Hintergrund. 

Mit Gravity Wave, ein Start-up, das kaputte Fischernetze aus Plastik in Tische, Stühle und vieles mehr verwandelt, zeigt Amaia Rodríguez, wie Kreislaufwirtschaft, Markenkooperationen und unternehmerischer Mut messbaren Impact schaffen können:

 

Das bin ich:
Mein Name ist Amaia Rodríguez, ich bin Mitgründerin und CEO von Gravity Wave – einem Social Enterprise mit der Mission, das Mittelmeer von Plastikmüll zu befreien und diesen in hochwertige Produkte und Materialien zu verwandeln.

Das ist unsere Geschäftsidee:
Gravity Wave wurde mit einem klaren Ziel gegründet: die Plastikverschmutzung der Meere mithilfe eines Kreislaufwirtschaftsmodells zu bekämpfen. Wir arbeiten mit mehr als 7.000 traditionellen Fischern im gesamten Mittelmeerraum zusammen, um Plastikabfälle – insbesondere herrenlose Fischernetze, die als eine der schädlichsten Formen von Meeresplastik gelten – aus dem Meer zu bergen. Dieses Material geben wir anschließend ein zweites Leben, indem wir es in langlebige Materialien und Designprodukte wie Paneele, Möbel, Industriegranulate sowie gebrandete Produkte für Unternehmen verwandeln, die einen positiven ökologischen Fußabdruck hinterlassen wollen.

Das ist unser bisher größter Erfolg:
2025 haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht: Insgesamt eine Million Kilogramm Plastikmüll wurden aus dem Meer und aus Häfen entfernt, davon konnten mehr als 400.000 Kilogramm recycelt werden. Möglich wurde dies durch das Vertrauen von über 250 Marken – darunter Mini, Lidl und Isdin – sowie durch die Beteiligung von mehr als 100 Fischereihäfen. Diese Zahl steht nicht nur für Menge, sondern für kollektive Wirkung und Durchhaltevermögen.

Das war unsere bisher größte Herausforderung:
Der Umgang mit marinem Abfall, die Suche nach geeigneten Industriepartnern und der Nachweis, dass Meeresplastik tatsächlich recycelt und weiterverarbeitet werden kann, waren große Herausforderungen. Gleichzeitig galt es, ein skalierbares und wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, ohne unsere soziale und ökologische Mission aus den Augen zu verlieren. Für den Aufbau eines zutiefst werteorientierten Unternehmens in einem so komplexen Bereich wie Abfallmanagement und Kreislaufwirtschaft gibt es keinen fertigen Fahrplan.

Quelle: Gravity Wave

Unsere wichtigste Erkenntnis:
Purpose und Profit sind keine Gegensätze – richtig ausgerichtet sind sie starke Verbündete. Wir haben gelernt, dass Konsumenten, Fischer, Marken und Institutionen bereit sind, mutige Missionen zu unterstützen, wenn sie auf Transparenz, messbaren Ergebnissen und einer echten Transformationsgeschichte basieren.

Was etablierte Marken von Start-ups lernen können – und umgekehrt:
Große Marken können von Start-ups lernen, schneller zu handeln, mutige Risiken einzugehen und eine emotionale Verbindung zu modernen Konsumenten aufzubauen. Start-ups wiederum profitieren von der Erfahrung etablierter Unternehmen in Bezug auf langfristige Strategie, Struktur und operative Disziplin. Die wahre Stärke entsteht, wenn beide Welten zusammenarbeiten.

Was Deutschland von anderen Ländern im Bereich Start-ups lernen kann:
Deutschland verfügt bereits über eine starke Innovationskultur. Mehr Risikobereitschaft – insbesondere bei Frühphasenfinanzierung und Regulierung – sowie eine intensivere europäische Zusammenarbeit könnten jedoch noch mehr wirkungsorientiertes Unternehmertum ermöglichen. Die Kombination aus technologischer Innovation, Gemeinschaftssinn und Purpose birgt enormes Potenzial.

Was wir uns von der Politik wünschen:
Es braucht stärkere Anreize und Rahmenbedingungen zur Förderung sozialer und ökologischer Unternehmen – nicht nur durch Fördermittel, sondern auch durch öffentlich-private Kooperationen, nachhaltige Beschaffungspolitik und Bildung. Nachhaltigkeit darf kein Nice-to-have sein, sondern muss strukturell in allen Wirtschaftssektoren verankert werden. Unternehmen zu bestrafen, die Umweltverschmutzung verursachen, ist wichtig – Unternehmen zu belohnen, die Verantwortung übernehmen, ist mindestens genauso entscheidend.

Quelle: Gravity Wave

Das sind unsere Pläne für die Zukunft:
Wir möchten unsere Lösung europaweit und in Nordafrika skalieren und neue Technologien für Rückverfolgbarkeit und Materialinnovation in unsere Prozesse integrieren. Langfristig wollen wir die führende Kreislauflösung für Meeresplastik werden – nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch in Regionen wie Lateinamerika und Asien. Unser Ziel ist es zu beweisen, dass die Reinigung der Ozeane sowohl ein tragfähiges Geschäftsmodell als auch eine Bewegung sein kann.

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vg 21.01.2026