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Max Franke ist Geschäftsführer von Podius.io - Quelle: For Real Munich – Felix Reischenbeck

Auditive Markenführung

Podcasts: Vom Hype zur festen Größe

Podcasts haben sich in den vergangenen Jahren als fester Bestandteil des Medienmixes etabliert. Laut Max Franke, Geschäftsführer von Podius.io, bieten sie Marken verschiedene Möglichkeiten, Inhalte zielgerichtet zu vermitteln, und erlauben eine differenzierte Ansprache spezifischer Zielgruppen. Worauf es zu achten gilt, um sich einen nachhaltigen Zugang zu den Köpfen und Ohren der Konsumenten sichern, erläutert er in seinem Beitrag für markenartikel:



Wir leben in einer Ära fragmentierter Aufmerksamkeit. Große mediale Lagerfeuer erlöschen zunehmend, und auf Social Media kämpfen Marken mit Feeds, die im Millisekundentakt gescannt werden, sowie mit fragiler Brand Safety bei oft fehlender verantwortungsvoller Absenderschaft. In dieser Medienlandschaft stellt der Podcast eine bewusste Alternative dar. Vom ursprünglichen Experimentierfeld hat er sich zu einem festen Bestandteil im Mediamix entwickelt und bietet ein relevantes Werbeumfeld. Doch wer Podcasts lediglich als verlängerten Arm der klassischen Radiowerbung betrachtet, verkennt die spezifischen Spielregeln dieses Ökosystems.

Tiefe Inhalte, hohe Glaubwürdigkeit

Während andere digitale Medien oft Clickbait nutzen oder um kurze Aufmerksamkeitsspannen konkurrieren, bietet der Podcast eine tiefergehende inhaltliche Auseinandersetzung. Erkenntnisgewinn und Perspektivwechsel sind zentrale Bedürfnisse der Hörer, insbesondere bei jungen Zielgruppen. Laut dem Podcast Report von Seven.One Audio hören bereits 63 Prozent der 18- bis 49-Jährigen in Deutschland Podcasts; bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 73 Prozent.

Besonders ist die offene Struktur dieses Ökosystems: Jeder kann Inhalte global verbreiten. Nicht unbedingt setzt sich das Format durch, das einem Algorithmus gehorcht, sondern das, was die Menschen wirklich hören wollen. Dabei entwickeln Hörer eine Bindung zu den Hosts und den von ihnen bevorzugten Formaten. Diese parasoziale Beziehung kann die Wahrnehmung von Inhalten beeinflussen und ein potenzielles Vertrauensverhältnis schaffen, das für Marken relevant ist.

Werbewirkung, Skalierbarkeit, Full-Funnel-Ansatz

Die Glaubwürdigkeit der Hosts ist ein wichtiger Vorteil für Werbetreibende. Authentizität ist entscheidend, wenn Markenwerte im Podcast vermittelt werden. Wenn Podcaster ein Produkt in Host-Read-Ads in ihren eigenen Worten und passend zur Tonalität des Formats vorstellen, wirkt dies wie eine Empfehlung aus dem Freundeskreis. 

Gleichzeitig lassen sich Kampagnen heute skalieren, insbesondere durch adserverbasierte Ausspielung sowie Werbeformen wie Producer Reads und klassische Podcast-Spots. Diese Formate ermöglichen es, schnell Reichweiten aufzubauen und Zielgruppen dynamisch anzusprechen.

Podcasts können verschiedene Stufen des Marketing-Funnels abdecken. Die regelmäßige Nutzung, etwa beim Pendeln, Sport oder Kochen, trägt zur langfristigen Wahrnehmung von Marken bei. Gleichzeitig kann das Vertrauen in die Hosts in Kombination mit gezielten Handlungsaufforderungen direkte Reaktionen fördern. Ein weiterer Aspekt ist die Brand Safety: Podcasts bieten ein kontrolliertes Umfeld mit hoher inhaltlicher Qualität und seriösen Quellen.

Branded Podcast oder klassische Platzierung?

Eine der häufigsten Fragen von Markenverantwortlichen lautet, ob sie einen eigenen Branded Podcast starten oder lieber Budget in bestehende Formate investieren sollten. Die Antwort erfordert strategische Ehrlichkeit: Ein eigener Marken-Podcast ist kein reines Werbemittel, sondern ein anspruchsvolles Content-Marketing-Projekt. Er funktioniert nur dann, wenn er einen echten inhaltlichen Mehrwert bietet – sei es durch exklusives Branchenwissen, herausragendes Storytelling oder Unterhaltung. Er eignet sich für spitzes B2B-Marketing, Employer Branding oder erklärungsbedürftige Produkte. Da Reichweitenaufbau jedoch nicht über Nacht geschieht, bietet es sich fast immer an, den Start eines Branded Podcasts durch entsprechende Media-Spendings in anderen Formaten zu flankieren. 

Wer als Marke hingegen primär hohe Reichweite, die Nähe zu Formaten und Hosts und/oder messbaren Abverkauf sucht, ist mit Werbeplatzierungen in bestehenden, etablierten Podcasts meistens besser beraten.

Messbarkeit und Transparenz

In der Branche wird heute immer noch diskutiert, wie Podcasts im Vergleich zu Web-Klicks messbar sind. Oftmals wird hierbei unterschiedlich gemessen: Bei klassischen Medien wie Print, TV oder Radio stört die fehlende Punktgenauigkeit kaum jemanden, während Tech-Plattformen absolute Messbarkeit suggerieren, die oft auf schwammigen Standards basiert. 

Eine zentrale Frage ist, wann der Konsum von Inhalten oder Werbung gemessen wird. Podcasts haben mit IAB 2.0 einen globalen Standard etabliert, der Downloads erst ab einer Minute Konsum erfasst, sodass die Messung auf verlässlichen und weitgehend akzeptierten Nutzungsdaten basiert.

Die eigentliche Herausforderung für Werbetreibende ist die Fragmentierung des Marktes. Bei rund 31.000 aktiven Podcasts in Deutschland ist die manuelle Mediaplanung kaum zu bewältigen. Ohne technische Unterstützung sind der Recherche- und Planungsaufwand enorm. Hier kommen spezialisierte Plattformen wie Podius ins Spiel. Das Tool bietet Einblicke in Formate, Reichweiten, Zielgruppen und Werbemöglichkeiten und unterstützt bei der Identifikation der passenden Formate.

Leitmedium von morgen

Für Markenentscheider ist abwarten keine Strategie mehr. Podcasts gewinnen zunehmend an Bedeutung als Informationsmedium und beeinflussen die öffentliche Meinungsbildung. Bei vergangenen Wahlen dienten sie vielen jungen Wählern als wichtige Informationsquelle. In der Wirtschaftskommunikation nehmen sie eine zentrale Rolle ein: Bei komplexen Themen ermöglichen Podcasts, Zusammenhänge detailliert zu erläutern und einordnende Perspektiven zu vermitteln. Wer die Intimität und Ernsthaftigkeit des Mediums respektiert, seine Kampagnen datengestützt plant und auf die Glaubwürdigkeit der Hosts vertraut, kann sich einen nachhaltigen Zugang zu den Köpfen und Ohren der Konsumenten sichern. 

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vg 14.04.2026