Investitionsbereitschaft
Mittelstand investiert so wenig wie nie zuvor
Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist auf ein historisches Tief gesunken. Nur noch 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen, in den kommenden sechs Monaten in ihren Betrieb zu investieren. Das geht aus der VR Mittelstandsumfrage von DZ BANK und Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hervor. Für die repräsentative Studie wurden mehr als 1.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt.
Zum Vergleich: Selbst während der Finanzkrise, der Corona-Pandemie oder der Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Kriegs lag die Investitionsbereitschaft höher. Gleichzeitig bleiben auch die Geschäftserwartungen verhalten. Lediglich 26 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 20 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
Steigende Kosten erhöhen den Druck
Als größte Belastung nennen 74 Prozent der befragten Unternehmen die Bürokratie. Zwar liegt dieser Wert unter dem Niveau der Herbstumfrage 2025 (80 Prozent), dennoch bleibt das Thema das wichtigste Problemfeld des Mittelstands.
Deutlich zugenommen haben dagegen die Sorgen über Energie- sowie Rohstoff- und Materialkosten. 67 Prozent sehen die Energiekosten als Belastung – ein Plus von 14 Prozentpunkten gegenüber Herbst 2025. Die Rohstoff- und Materialkosten bereiten inzwischen 57 Prozent der Unternehmen Sorgen, nachdem es ein halbes Jahr zuvor noch 43 Prozent waren.
Auch die Lieferketten entwickeln sich wieder problematischer. 31 Prozent der Unternehmen berichten von Lieferengpässen oder verspäteten Lieferungen. Im Herbst 2025 lag dieser Wert noch bei 18 Prozent. Besonders betroffen sind Unternehmen der Elektroindustrie sowie der Chemie- und Kunststoffbranche.
Preiserhöhungen werden wahrscheinlicher
Der steigende Kostendruck wirkt sich zunehmend auf die Preisgestaltung aus. 43 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen, ihre Preise anzuheben. Vor sechs Monaten lag dieser Anteil noch bei 34 Prozent. Sinkende Preise erwarten dagegen lediglich knapp 5 Prozent der Befragten.
Trotz der wirtschaftlichen Belastungen zeigt sich der Arbeitsmarkt vergleichsweise stabil. Eine knappe Mehrheit der Unternehmen plant weiterhin Neueinstellungen.
Ausland gewinnt an Bedeutung
Angesichts der schwachen Binnenkonjunktur suchen viele Mittelständler zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten im Ausland. Inzwischen sind 54 Prozent der Unternehmen international aktiv. Gegenüber dem Frühjahr 2024 entspricht das einem Anstieg um zehn Prozentpunkte.
Nach Einschätzung der Studienautoren konzentrieren sich viele Unternehmen derzeit auf Liquidität, Kostenkontrolle und die Absicherung ihrer Lieferketten. Investitionen dienen vor allem der Bestandssicherung, während Wachstum und Expansion zunehmend außerhalb Deutschlands stattfinden.
KI etabliert sich im Mittelstand
Neben der wirtschaftlichen Lage untersucht die Studie auch den Stand der Digitalisierung. Besonders deutlich hat sich der Einsatz Künstlicher Intelligenz entwickelt. Während 2018 erst acht Prozent der mittelständischen Unternehmen KI nutzten, liegt der Anteil inzwischen bei 58 Prozent. Damit erreicht KI nahezu das Niveau des Internets der Dinge (Internet of Things), das ebenfalls von 58 Prozent der Unternehmen eingesetzt wird.
Dennoch verzichtet weiterhin etwa jedes sechste mittelständische Unternehmen vollständig auf den Einsatz der abgefragten digitalen Technologien.
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